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Read Parade

9. Mai 2022

Die Literatur ist eine bedrohte Art. Sie verschwindet aus den Regalen bei IKEA, weil sie „nicht zur Zielgruppe passt“. Sie verschwindet aus den Feuilletons, weil die Leisen und Klugen nie den Ton angeben. Wir setzen uns am Morgen vor unsere großen Bildschirme und entspannen uns am Abend vor unseren kleinen Bildschirmen, dazwischen passt kein Blatt Papier mehr, und genau so wollen wir es haben. Wir wollen unterhalten werden, wir wollen die Vollnarkose, wir wollen Medien nicht rezipieren, nicht reflektieren, wir wollen konsumieren. Aber wenn die Literatur stirbt, verschwindet mit ihr die gewaltigste handtaschenkleine Möglichkeit, zu verstehen: die Welt und einander.

Bücher bringen uns denen näher, die wir sonst nie getroffen hätten. Sie erzählen uns von Krieg und Vertreibung, der Klimakatastrophe, von Rassismus, Gewalt, Angst, Hoffnung und Liebe. Sie machen uns verwundbar und empfänglich für die Nöte und Wunder der anderen. Lesen ist Widerstand gegen das Vorgefundene. Revolution im Gegentext.

Wir legen mit einer Love Parade für Poesie die Literatur in alle Münder, bringen sie von der Seite auf die Straße und feiern das Lesen, diesen unnachahmlichen Prozess, bei dem ein paar Zeichen im Handumdrehen und in tausend Köpfen eine neue Wirklichkeit erschaffen: Feiert mit uns, zieht mit uns durch die Straßen von Altona! Bringt Plakate mit und Wut und Leidenschaft. Tanzt mit uns zur Musik von DJ MARGO. Zusammen mit euch wird es ein Rausch der Poesie!

Bekannte Autor*innen werden an fünf Stationen lesen: Rasha Khayat, Dayan Kodua, Tom Müller, Nicole Seifert, Monique Schwitter, Leona Stahlmann und David Wagner. Zum Abschluss wird auf der Bühne am Festivalzentrum auf dem Platz der Republik ein kulturpolitisches Manifest verlesen: eine Kampfrede und Liebeserklärung für die Literatur. 

Die Hamburger Read Parade ist eine Produktion der altonale, initiiert von Leona Stahlmann und Tom Müller (Read Parade Berlin 2019). Mit freundlicher Unterstützung der Behörde für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg sowie in Kooperation mit HausDrei.

Samstag, 25. Juni, 17.00 Uhr
Dauer: ca. 2,5 Stunden
Start: August-Lütgens-Park, Hospitalstraße 107 (beim HausDrei)
Abschluss: Bühne am Festivalzentrum, Platz der Republik